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Retrograde cricopharyngeale-Dysfunktion (R-CPD).
Ich kann nicht rülpsen!

Viele Menschen haben ein seltsames Leiden: Sie können nicht aufstoßen.

„Ich bin 30 Jahre und ich habe nie rülpsen können. Wenn ich versuche zu rülpsen, kommt entweder nur ein künstliches Husten raus, oder Du musst Dich beinahe übergeben. Ich denke, das schlimmste Symptom für mich war das Gurgeln im Hals.“

„Kohlensäurehaltige Getränke sind die Hölle. Durch die Luft wird mir nicht sofort übel, aber ich habe starke Schmerzen in der Brust. Ich habe jeden Tag diese Schmerzen, deshalb kann ich nicht viel machen. Manchmal haue ich mir stark auf die Brust und versuche, die Luft heraus zu zwingen.“

„Ich kann, wie viele andere auch, nie rülpsen. Ich habe große Probleme mit Völlegefühl, Blähungen und Halskrausen. Die einzige Erleichterung, die ich finden konnte, ist das Erbrechen der Luft. Ich musste mich ständig würgen, um das Aufblähen und Gurgeln zu lindern.“

Nicht-rülpsen-können ist eine Funktionsstörung, die durch den cricopharyngealen Muskel verursacht wird. Der cricopharyngeale Muskel ist ein Muskelband, das den oberen Speiseröhreneingang (Ösophagussphinkter) bildet. Dies ist ein ventilartiger Bereich im Hals. Der Musculus cricopharyngeus verengt die Pars laryngea des Pharynx und schiebt damit beim Schluckakt die Nahrung in Richtung der Speiseröhre (Ösophagus) vor.

Der cricopharyngeale Schließmuskel ist normalerweise in einem Zustand der Kontraktion und entspannt sich nur, um den Durchgang von Nahrung nach unten oder während des Aufstoßens (und Erbrechens) nach oben zu ermöglichen. Bei Menschen, die nicht in der Lage sind zu rülpsen, kann sich der Musculus Cricopharyngeus nicht entspannen, weshalb Gas oft in der Speiseröhre eingeschlossen wird. Patienten, die an dieser Störung leiden, klagen häufig über die o.g. Beschwerden und manchmal über ein Gurgeln, tief hinter der Brustwand. Sie meiden oft kohlensäurehaltige Getränke, da dies ihre Symptome deutlich verschlimmern kann.

R-CPD Ich kann nicht rülpsen

Die meisten Patienten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, aber jedes Alter kann betroffen sein. Viele Patienten haben das Problem seit ihrer Kindheit, aber es wurde nicht diagnostiziert.

Ursache
Es gibt keine endgültig bekannte Ursache für dieses Beschwerdebild. Die Funktion des cricopharyngealen Muskels besteht darin, einen Rückfluss von Mageninhalt in den Rachen zu verhindern. Geht dieser Muskel in einen konstanten Krampf über, wird ein einfaches Aufstoßen verhindert.

Hoffnung Botulinumtoxin-Injektion

Dr. Robert W. Bastian vom Bastian Voice Institute, Chicago, machte den Musculus cricopharyngeus als möglichen Ursprung des Leidens aus. Dr. Bastian schrieb auch die Erstveröffentlichung zur Retrograden cricopharyngealen Dysfunktion (R-CPD) „Inability to Belch“. Sein Therapieansatz ist eine gezielt gesetzte Spritze des Nervengifts Botulinumtoxin in den Schlundschnürer. Offensichtlich war es der richtige Ansatz, denn die Patienten konnten nach einigen Tagen wieder aufstoßen.
Prof. Markus Hess hat von Dr. Bastian in Chicago das korrekte Setzen der Injektionen gelernt und verwendet diese Methode ebenso erfolgreich bei seinen Patienten mit R-CPD.

Behandlung

Die Behandlung dieser Beschwerde erfolgt durch Injektion von Botulinumtoxin in den Musculus Cricopharyngeus.. Dies führt zu einer vorübergehenden, teilweisen Lähmung dieses Muskels und ermöglicht daher das Aufstoßen. Die Injektionen werden i.d.R. in einer Kurznarkose ambulant (d.h. ohne Krankenhaus-Übernachtung) durchgeführt. Die meisten Patienten erlernen anschließend nach etwa 3 – 30 Tagen das Aufstoßen. Einige Patienten benötigen möglicherweise eine Wiederholung der Injektion.

Komplikationen

Bei einigen Patienten kann es vorübergehend zu übermäßigem Aufstoßen und Schluckbeschwerden kommen, die sich jedoch normalerweise bessern, sobald die Wirkung der Injektion nachlässt. Stimmstörungen können als unerwünschte Nebenwirkung auftreten, falls die Stimmbandnerven in Mitleidenschaft gezogen wurden,  ebenso wie Atembeschwerden. Diese Symptome sollten sich aber in ein paar Wochen oder Monaten bessern. Schwerwiegende Komplikationen sind selten. Insgesamt ist also von einer sehr hilfreichen und effektiven Therapie auszugehen, die den Betroffenen zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität verhelfen kann.

R-CPD – Auswirkungen auf das tägliche Leben. Beschreibung aus der Sicht eines Betroffenen

Keine Chance zu rülpsen

  • Keine Möglichkeit bewusst oder unbewusst zu rülpsen und Luft aus dem Magen nach oben entweichen zu lassen.

  • Aufgeblähtes, schmerzhaftes Völlegefühl nach den Mahlzeiten. Die Luft im Magen staut sich auf. Immer das Gefühl, dass die Luft die Speiseröhre hinaufsteigen will, aber auf eine Blockade trifft.

Krötenartige, froschähnliche Luftgeräusche

  • Dadurch, dass die Luft nicht herauskommt, entstehen unkontrollierbare dumpfe, gurgelnde, frosch- bzw. krötenartige Geräusche. Dieses ist besonders auch für das Umfeld unangenehm.

R-CPD rülpsen

Aufblähen des Bauches

  • Mit Fortschreiten des Tages sichtbares Aufblähen des Bauches (auch ohne Mahlzeiten).

  • Enorme Schmerzen im Unterleib bei Flugreisen ab 1,5 Stunden aufgrund des langen Sitzens und der sich entwickelnden Luftblase im Bauch.

Peinliche Momente wegen starker Blähungen

  • Exzessive, starke Blähungen einerseits nach großen Mahlzeiten und andererseits beim vollständigen Fehlen von Mahlzeiten.

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