Leukoplakie

Als Leukoplakie (wörtlich „weiße Fläche“) gelten alle weißen, nicht abwischbaren Effloreszenzen der Schleimhaut auf den Stimmbändern. Eine Leukoplakie kann eine Vorstufe oder ein frühes Symptom für eine bösartige Veränderung (Kehlkopfkrebs) sein.

Differentialdiagnostisch kommen bei einer Leukoplakie neben Dysplasien besonders eine Biofilmbildung, ein Pilzbefall oder eine oberflächliche Vernarbung in Frage. Auch nach der Anwendung von kortisonhaltigen Asthmasprays kann es zu weißen Auflagerungen kommen (SIL: Steroid Inhaler Laryngitis).

Nur eine histologische Untersuchung des Gewebes kann Aufschluss darüber geben, ob die Leukoplakie ein Symptom für einen beginnenden Kehlkopfkrebs ist oder es sich dabei nur um eine gutartige Veränderung der Gewebestruktur handelt.

Die operative Entfernung einer Leukoplakie dient nicht in erster Linie der Stimmverbesserung, sondern im Gegenteil kann sich die Stimme dadurch sogar verschlechtern. Bei einer solchen Operation gibt es zwei einander entgegengesetzte Ziele: Zum einen möchte man mit möglichst großer Sicherheit alles entfernen bzw. eine repräsentative Probe entnehmen. Der Ausschluss oder die Entfernung bösartiger Veränderungen hat dabei Vorrang. Andererseits möchte man möglichst vermeiden, dass es durch den Eingriff zu einer gravierenden Stimmverschlechterung durch Vernarbung oder Substanzdefizite kommt. Mit Erfahrung und Berücksichtigung des endoskopischen und stroboskopischen Befundes lassen sich oft beide Ziele erreichen.

Leukoplakien können nach einer operativen Entfernung wiederkommen. Besonders in diesen Fällen ist eine neue und hilfreiche Alternative zur wiederholten operativen Abtragung die photoangiolytische Laserung mit dem KTP-Laser oder dem Blue Laser.
Weitere interessante Aspekte finden Sie in einem Artikel, den Dr. Susanne Fleischer und Prof. Markus Hess für die HNO-Nachrichten geschrieben haben.

Fallbeispiel

Anamnese
Herr E., ein 78jähriger Rentner, bemerkt seit einigen Wochen eine leichte Heiserkeit. Er hat keine Schmerzen und auch sonst keine Beschwerden, macht sich aber über die möglichen Ursachen Sorgen, denn er weiß, dass er als starker Raucher ein erhöhtes Risiko für Kehlkopfkrebs hat.
Befunde
Der Stimmklang ist kräftig und resonant, jedoch leicht belegt. Die Videolaryngoskopie zeigt eine kleine, scharf begrenzte weißliche Auflagerung auf der linken Stimmlippe, die nicht abgehustet werden kann. Bei einer Kontrolluntersuchung 2 Wochen später ist diese Veränderung weiterhin zu sehen und kann mit NBI-Technologie noch deutlicher dargestellt werden.

Empfehlung und Verlauf
Es wird eine Narkoseuntersuchung mit Abtragung der weißlichen Veränderung empfohlen. Herrn E. wird erklärt, dass es bei der Operation darum geht, eine bösartige Veränderung auszuschließen, und dass sich die Stimme durch die Operation möglicherweise verschlechtern kann. Bei der histologischen Untersuchung des entnommenen Gewebes werden mittelgradige Dysplasien, also Veränderungen der Epithelzellen, gefunden. Es handelt sich dabei nicht um Krebs, jedoch um eine mögliche Vorstufe. Die erfolgte Operation ist also zunächst ausreichend, Herr E. wird jedoch informiert, dass regelmäßige Kontrollen erforderlich sind.
Erläuterung
Erst mit einer histologischen Untersuchung kann gesehen werden, ob es sich hier um bösartige Veränderungen (Krebs) handelt, um mögliche Vorstufen dazu oder beispielsweise nur um eine harmlose lokale Entzündung. Die Veränderung auf der Stimmlippe führt sehr schnell zu einer Heiserkeit. Deshalb wird Krebs an den Stimmlippen in der Regel früh erkannt und hat gute Heilungsaussichten. Bei Herrn E. konnte die Leukoplakie vollständig entfernt werden, ohne dass es zu einer Verschlechterung der Stimme kam. Bei der histologischen Untersuchung wurden bösartige Veränderungen ausgeschlossen. Regelmäßige Verlaufskontrollen und ggf. nochmalige Operationen sind jedoch erforderlich.

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