Kontaktgranulom (Stimmbandgranulom)

Das Kontaktgranulom (manchmal auch Kontaktulkus oder Stimmbandgranulom genannt) ist eine Veränderung im hinteren, knorpeligen Anteil der Stimmlippe (Processus vocalis), die einseitig oder beidseitig und in unterschiedlicher Form auftreten kann. Der Stimmklang ist meist nur wenig verändert. Weitaus am häufigsten betroffen sind Männer.

Als wichtigste Ursachen werden ein Magensäurereflux (laryngopharyngealer Reflux) sowie eine ungünstige Stimmtechnik mit zu tiefer Sprechstimmlage und harten Stimmeinsätzen angesehen. Wird das Kontaktgranulom operativ entfernt, ohne dass etwas an den Ursachen geändert wird, ist die Gefahr eines Rezidivs sehr groß. Daher werden alternativ oder ergänzend zu einer Operation eine Stimmtherapie sowie die Diagnostik bzw. Behandlung eines laryngo­pharyngealen Refluxes mit Magensäure-Blockern (Protonen-Pumpen-Inhibitoren) über einige Monate empfohlen. Trotz aller solcher Maßnahmen kann ein Kontaktgranulom sehr therapieresistent sein bzw. immer wieder rezidivieren. Eine erste Operation wird oft zur Sicherung der Histologie und zum Ausschluss einer bösartigen Veränderung empfohlen.

Bei Frauen sind Kontaktgranulome seltener zu finden. Dagegen treten bei ihnen häufiger Intubationsgranulome auf – dies sind nach einer Vollnarkose mit Intubation auftretende Verdickungen ebenfalls am Processus vocalis, die einem Kontaktgranulom sehr ähneln. Hier spielt vermutlich der bei Frauen sehr viel kleinere Kehlkopf eine Rolle, der bei relativ größerem Durchmesser der routinemäßig gewählten Endotrachealtuben dann einem größeren Druck durch den Tubus während einer Narkose ausgesetzt ist.

Fallbeispiel

Anamnese
Der 50 jährige Herr M. ist Polizist. Er bemerkt schon seit einigen Jahren ein Fremdkörpergefühl und das Gefühl der Stimmanstrengung und Verspannung im Hals besonders nach längerer Stimmbelastung. Seit einigen Jahren leidet er auch unter Sodbrennen und einer nächtlichen schlafbezogenen Atemstörung mit Schnarchen und Atemaussetzern. Er ist Nichtraucher, macht sich aber trotzdem Sorgen, ob er Kehlkopfkrebs haben könnte.
Befunde
Der Stimmklang ist resonant, etwas “knödelnd”, die mittlere Sprechstimmlage ist deutlich tiefer als normal. Die Videolaryngoskopie zeigt im hinteren Anteil der linken Stimmlippe im Bereich des knorpeligen Anteils eine Verdickung, die das typische Aussehen eines Kontaktgranuloms hat. An der gegenüberliegenden Seite ist ebenfalls eine leichte Verdickung zu sehen. Der vordere, schwingende Bereich der Stimmlippen ist glatt und reizlos und die Stroboskopie ergibt einen unauffälligen Befund. Im hinteren Kehlkopfanteil finden sich außerdem Anzeichen eines Magensäurereflux.

Empfehlung und Verlauf
Es wird eine medikamentöse Therapie mit Magensäure-Blockern (Protonen-Pumpen-Inhibitoren) über 2 Monate empfohlen mit anschließender Kontrolle-Endoskopie sowie eine Vorstellung im Schlaflabor. Bei der Untersuchung im Schlaflabor zeigen sich keine schwerwiegenden Auffälligkeiten, es wird jedoch eine Gewichtsreduktion empfohlen. Da Herr M. auch unter der Stimmanstrengung leidet, wird zusätzlich eine logopädische Therapie eingeleitet. Bei der Kontrolle nach 2 Monaten berichtet er, dass sich das Sodbrennen und das Gefühl der Verspannung im Hals deutlich gebessert haben. Seine Stimme klingt weniger knödelnd, und die mittlere Sprechstimmlage ist fast normal. Der laryngoskopische Befund zeigt eine Verkleinerung des Kontaktgranuloms. Es werden die Fortführung der Therapie sowie eine erneute Kontrolle empfohlen.

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