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Globusgefühl – der ‚Frosch-im-Hals‘

Globusgefühl, Globussyndrom, Kloßgefühl, Kloß im Hals
Viele Menschen verspüren plötzlich ein Fremdkörpergefühl im Hals, schlucken häufig, klagen über Stimmstörungen und räuspern sich. Das Fremdkörpergefühl geht trotzdem nicht weg. Anschließend bringen diese Menschen eine Vielzahl an Untersuchungen bei verschiedenen Fachärzten hinter sich, oft ohne eine hinreichende Erklärung für die Beschwerden. Häufig wird der Patient dahingehend beruhigt, dass keine ernsthafte Erkrankung vorliege. Was er aber möchte, ist eine nachhaltige Linderung der Beschwerden, die ihm meist nicht angeboten werden kann. Der Frosch-im-Hals bleibt.

Beschwerdebild
Der typische „Globus-Patient“ klagt über ein Fremdkörpergefühl (Kloßgefühl), den sogenannten Frosch-im-Hals.
Essen und Trinken funktionieren meist problemlos, allerdings wird der Widerstand häufig beim Schlucken von Speichel – wir nennen es Leerschlucken – gefühlt. Bisweilen berichten Patienten über immer wiederkehrende Stimmprobleme mit Heiserkeit und vermehrter Stimmanstrengung.

Erklärungsmodell
Dem Globusgefühl liegt sehr oft eine vermehrte Anspannung der Muskeln, die den Kehlkopf halten, zugrunde. Diese Beschwerden nennen wir gerne den „Tennisarm des Halses“. Ein im Zusammenhang mit dem Globusgefühl besonders wichtiger Muskel ist der M. constrictor pharyngis, auch „Schlundschnürer“ genannt. Man kann diesen Muskel zudem als sehr „emotionalen“ Muskel bezeichnen, denn beim Unterdrücken von Emotionen wie Trauer, Wut oder Angst, die sich beispielsweise in Weinen oder Schreien ausdrücken würden, kommt es zu einer Anspannung besonders dieses Muskels. Die Anspannung dieser Muskeln kann dazu führen, dass die Stimmlippen nicht locker und frei schwingen können und die Stimme nicht anspricht – als Reaktion kommt es dann zum Räuspern, um den Stimmeinsatz zu „erzwingen“. Ein Muskel, der fehlbelastet oder überlastet wird, ist meistens auch in Ruhe stärker angespannt.

Diese Anspannung kann im Rachenraum eine veränderte Wahrnehmung und ein Fremdkörpergefühl (Globus!) hervorrufen. Dies führt zu einer Anspannung und damit wiederum zu einer noch stärkeren Zunahme des Fremdkörpergefühls – ein Teufelskreis!

Was werden wir tun, damit es Ihnen besser geht?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass in vielen Fällen eine muskuläre Ursache Auslöser für das Globussyndrom ist. Mit einer spezifischen Muskeltherapie nach Jacob Lieberman, fußend auf osteopathischer Basis, kann man das Globusgefühl oft lindern oder sogar heilen. In manchen Fällen gelingt uns das schon nach 10-20 Minuten.

Als zusätzliche Therapie empfehlen wir nur im Bedarfsfall:
Vermeidung der Auslöser – Intensiv oder Blocktherapie mit Logopädin und Stimmtrainerin.

Mehr Informationen Abschrift des Artikels aus den HNO-NACHRICHTEN 2017; 47 (3): „Gezielte Muskeldehnung gegen den Kloß im Hals“ von Dr. Susanne Fleischer, Prof. Markus Hess, Jacob Lieberman.

Bei Patienten mit Globusgefühl, bei denen alle „gängigen“ Differenzialdiagnosen ausgeschlossen sind, lohnt es sich, neue Therapieansätze in Betracht zu ziehen. Als Therapie hilft das gezielte (!) Lösen der Fehlspannung durch das manuelle „Entspannen“ und Dehnen der entsprechenden Muskeln. Gezielte Muskeldehnung gegen den Kloß im Hals. Die bekannteste Technik hierfür ist die Laryngeale Osteopathische Manipulation nach Jacob Lieberman. Diese dauert typischerweise etwa 10 bis 20 Minuten. Oft gelingt es schon mit einer einmaligen Behandlung, den Teufelskreis zu durchbrechen.
Typisches Beschwerdebild Der „typische Globus-Patient“ klagt über ein Fremdkörpergefühl beim Leerschlucken und das Gefühl, gegen einen Widerstand zu schlucken. Oft wird das Fremdkörpergefühl beidseitig in Höhe des hinteren Schildknorpelrandes lokalisiert, ggf. etwas höher oder tiefer, manchmal auch mittig oder mit Betonung einer Seite. Essen und Trinken sind ohne Probleme möglich. Bisweilen berichtet dieser Patient über rezidivierendes Stimmversagen mit Heiserkeit, über einen eingeschränkten Stimmumfang beim Singen und ganz besonders über die vermehrte Stimmanstrengung. Wenn die Stimme nicht gleich anspricht, muss er sich räuspern. Manchmal kommt es außerdem zu Missempfindungen im Sinne eines „irritable larynx“, eines hyperreagiblen Kehlkopfes mit dem Gefühl der Verschleimung oder der Trockenheit und gelegentlich einem Kitzeln oder Pieksen. Chronischer Husten gehört nicht zum typischen Beschwerdebild. Der Patient und der Arzt haben Schwierigkeiten, diesen sich als Globus äußern und den Symptomenkomplex korrekt zu deuten. Erklärungsmodell: Beim Globusgefühl liegt nach unserer Erfahrung sehr oft eine vermehrte Anspannung und ggf. eine Hypertrophie der paralaryngealen Muskeln vor, also der Muskeln, die den Kehlkopf halten (Abb. 1a). Das sind insbesondere der M. constrictor pharyngis medius, der M. constrictor pharyngis inferior, der M. thyrohyoideus, die infrahyoidalen Muskeln und der M. cricothyroideus. Die Auslöser für die vermehrte Anspannung sind individuell verschieden. Typische Faktoren, die zu einer Fehlspannung und Überbelastung der paralaryngealen Muskulatur führen, sind eine unökonomische Stimmtechnik mit zu hoher oder seltener zu tiefer mittlerer Sprechstimmlage, eine ungünstige Kopf-Hals-Position mit Hyperlordose der HWS, z.B. bei der Arbeit am PC mit vorgestrecktem Kopf, beim Rennrad fahren (hyperextendierter Hals!), bei Übungen im Fitnessstudio mit Pressatmung u.s.w. Besonders wenn unter diesen ungünstigen Ausgangspositionen gesprochen oder geschluckt wird, kann es zu Verspannungen bis hin zu Mikrotraumata der Muskulatur im Sinne eines Repetitive-Strain-Injury-Syndroms (RSI) und einer permanenten Muskelansatzreizung kommen.
Wir vergleichen diese Beschwerden gerne mit dem sogenannten Tennisarm. Auch stetiges Räuspern alleine kann zu einer vermehrten muskulären Anspannung führen. Wie bei allen muskulären Tätigkeiten gibt es jedoch immer individuelle Toleranzen und Regenerationszeiten. Erst deren Überschreitung führt in die Problematik des Globusgefühls – oft nach vorangegangener jahrelanger Kompensation. Ein für das Globusgefühl besonders wichtiger Muskel ist der M. constrictor pharyngis (Abb. 1b), auch „Schlundschnürer“ genannt. Man kann diesen Muskel als sehr „emotionalen“ Muskel bezeichnen, denn beim Unterdrücken und nicht-nach-außen-Zeigen von Emotionen wie Trauer, Wut oder Angst, die sich beispielsweise in Weinen oder Schreien ausdrücken würden, kommt es zu einer Anspannung besonders dieses Muskels. Redewendungen wie „das schnürt einem die Kehle zu“, „eine Kröte schlucken müssen“ oder „das verschlägt einem die Sprache“ verdeutlichen das. Solche emotionalen Faktoren sind den Patienten oft nicht bewusst. Auch lang zurückliegende, verdrängte Traumatisierungen können ein Globusgefühl hervorrufen. Bei einer Behandlung sind mögliche emotionale Ursachen immer mit zu berücksichtigen.
Anamnese: Die spezifische Anamnese bei Globus-Patienten beinhaltet neben Fragen zur allgemeinen Gesundheit und nach bisheriger Diagnostik und Therapie folgende Aspekte: — Seit wann bestehen die Beschwerden? In welcher Situation fingen sie an? — Gibt es Auslöser für die Beschwerden? In welcher Situation oder zu welcher Tageszeit treten sie auf? — Was genau wird empfunden: Wie äußert sich das Fremdkörpergefühl und wo wird es lokalisiert? — Gibt es beschwerdefreie Intervalle? — Besteht ein Zusammenhang mit vermehrter Stimmbelastung oder bestimmten Tätigkeiten? — Wie ist die typische Körperhaltung bei der Arbeit, betreibt der Patient Sport mit Pressatmung, knirscht er nachts mit den Zähnen oder gibt es ähnliche Situationen, die auf eine muskuläre Verspannung schließen lassen? — Was vermutet der Patient selbst als Ursache? (Vergessen Sie nie, dass unterdrückte Emotionen oder vorangegangene seelische Traumatisierungen eine wichtige Rolle spielen können.)
Atmung und Stimmgebung Unsere Diagnostik umfasst regelmäßig Atemtyp, Stimmklang und Stimmanstrengung, mittlere Sprechstimmlage, Artikulationsweise, Kieferöffnungsweite, Tonus der Halsmuskulatur u.a. Vieles kann schon während der Anamneseerhebung beurteilt werden.
Endoskopie Nach Ausschluss organischer Veränderungen von Kehlkopf und Rachenraum kann bei der routinemäßig durchgeführten Laryngoskopie auf eine mögliche supraglottische Engstellung bei der Stimmgebung geachtet werden. Dies gelingt am besten mit der transnasalen flexiblen Laryngoskopie. Ergänzend kann die Schluckdiagnostik erfolgen (FEES, flexible endoscopic examination of swallowing). Bei all diesen Untersuchungen wird sich typischerweise keine wesentliche oder die Beschwerden hinreichend erklärende Auffälligkeit finden lassen.
Inspektion und diagnostische Palpation Der zielführende Teil der Diagnostik besteht in der Inspektion und Palpation von Kehlkopf und paralaryngealer Muskulatur. Zunächst erfolgt die Beurteilung der Haltung des Patienten und der Position von Kopf und Hals im Sitzen und im Stehen (Abb. 2). Dabei ist auf eine Hyperlordose der HWS mit Anspannung der Halsmuskeln zu achten. Bei Auffälligkeiten kann eine entsprechende Beratung und Anweisung zur Änderung der Kopf-Hals-Haltung bereits ein wichtiger Teil der Therapie sein. Die Inspektion erfasst vor allem den Kehlkopf, und zwar in seiner Ruheposition, während der Stimmgebung und während des Schluckens. Dabei können ein sehr hoch oder sehr tief stehender Kehlkopf (Abb. 3) oder eine Asymmetrie erkannt werden. Es ist außerdem auf übermäßige Auslenkungen der Larynxelevation beim Schlucken oder Sprechen und auf andere auffällige Bewegungen zu achten.
Vor der Palpation sollte der Patient selbstverständlich gefragt werden, ob der Untersucher den Hals anfassen darf. Bei der Palpation werden insbesondere folgende Merkmale erfasst (Aufzählung von kranial nach kaudal): — die Stellung des Kehlkopfes in Ruhe, bei tiefer und hoher Stimmgebung sowie beim Gähnen und Schlucken — die Spannung der suprahyoidalen Muskulatur inkl. des Mundbodens — die Weite des thyrohyoidalen Abstandes in Ruhe, beim Gähnen und bei hoher Stimmgebung — die seitliche Verschieblichkeit des Hyoid – hier kann auch die Spannung des M. constrictor pharyngis medius beurteilt werden — die seitliche Verschieblichkeit des Thyroid — die Überprüfung, ob der Hinterrand des Schildknorpels gefasst werden kann – daraus ergibt sich ein Hinweis auf die Spannung des M. constrictor pharyngis inferior — die Weite des cricothyroidalen Abstandes in Ruhe, beim Gähnen und bei hoher Stimmgebung — die Spannung der infrahyoidalen Muskulatur („strap muscles“). — alle Strukturen werden bei Ruheatmung und bei Aktion (Schlucken, hohe und tiefe Stimmgebung, Gähnen) beurteilt. Wichtige Informationen ergeben sich beim Tasten verhärteter und hypertrophierter Muskeln und beim Lokalisieren von besonderen Schmerzpunkten. Ein beim Globus-Patienten typischer Befund ist der „backed larynx“, der nach posterior gezogene Kehlkopf, bei dem das Fassen des Schildknorpelhinterrandes erschwert ist. Hierfür ursächlich ist vor allem eine starke Anspannung des M. constrictor pharyngis inferior. Die Palpation des Schildknorpelhinterrandes ist häufig schmerzhaft und oft wird das beschriebene Fremdkörpergefühl genau dorthin lokalisiert. Weitere häufige Veränderungen sind ein sehr hoch oder ein sehr tief stehender Kehlkopf und ein verminderter thyrohyoidaler Abstand.
Therapie Lässt sich bei der diagnostischen Palpation nach wenigen Minuten die Indikation zur laryngealen osteopathischen Manipulation mit Dehnen der Muskulatur stellen, kann sinnvollerweise eine Behandlung gleich angeschlossen werden. Diese dauert typischerweise etwa 10 bis 20 Minuten. Der Patient sollte darauf hingewiesen werden, dass die Behandlung schmerzhaft sein kann. Auch während der Behandlung ist auf seine Reaktionen zu achten – bei einer möglicherweise vorangegangenen Traumatisierung, die dem Patienten vielleicht nicht bewusst ist, sollte eine solche Behandlung u. U. nicht erfolgen. Vor einer laryngealen osteopathischen Manipulation muss der Patient darüber informiert werden, dass es innerhalb der nächsten 24 Stunden zu verschiedenen „Nachwirkungen“ kommen kann, insbesondere zu ungewöhnlichen emotionalen Reaktionen, zu Müdigkeit, zu Schmerzen und zum Gefühl der Verschleimung. Die anatomischen Strukturen und Nachbarstrukturen sind dem behandelnden Arzt selbstverständlich gut bekannt (u.a. A. carotis, Glomus caroticum). Bei übermäßigen vegetativen Mitreaktionen wie plötzlichem Schwitzen (auf Stirn achten), Schwindel oder Husten, sollte die Behandlung unterbrochen oder abgebrochen werden, ebenso bei starker emotionaler Reaktion. Die Behandlung kann im Liegen oder im Sitzen durchgeführt werden – in unseren Ausführungen beziehen wir uns auf die Behandlung im Sitzen. Generell ist darauf zu achten, dass der Kopf des Patienten entspannt in einer stabilen und leicht nach vorn geneigten Position mit einer Hand gehalten wird, während die andere Hand palpiert (Abb. 4 a). Bei Griffen, bei denen beide Hände benötigt werden, kann der Kopf des sitzenden Patienten an den Oberkörper des Behandlers angelehnt und so stabilisiert werden (Abb. 4 b). Der wesentliche Teil der laryngealen osteopathischen Manipulation ist das vorsichtige, aber angemessen kräftige Dehnen von verkürzter und verspannter Muskulatur. Dies kann unter Umständen schmerzhaft sein. Es handelt sich bei der Behandlung nicht um eine Massage! Niemals werden impulsartige, schnelle Bewegungen ausgeführt. Nach unserer Erfahrung kann eine Unterbrechung des „Teufelskreises“ Globus ←→ Muskelspannung bei vielen Patienten erstaunlicherweise bereits nach einer Sitzung und mit anhaltender Wirkung erreicht werden, wenn es gelingt, die Muskulatur signifikant zu lockern und die Stellung des Kehlkopfes – und damit die Wahrnehmung des Patienten – zu verändern. Die laryngeale osteopathische Manipulation kann auch zur „Deblockierung“ bei psychogenen Stimmstörungen eingesetzt werden. Die vom Patienten wahrgenommene Dehnung und Lockerung der Muskulatur ermöglicht in vielen Fällen eine normale Stimmgebung. Bei diesen Patienten ist der Effekt jedoch eher psychisch zu erklären und weniger muskelphysiologisch im Sinne tatsächlicher mechanischer Veränderungen. In den Abb. 5 bis 9 werden einige wichtige Griffe zur Dehnung der verschiedenen Muskelgruppen in Reihenfolge von kranial nach kaudal dargestellt und kommentiert. Die Anwendung ist nur bei genauer Kenntnis der Anatomie zu empfehlen, und die hier gegebenen Beschreibungen sind nicht im Sinne einer Therapieanleitung zu verstehen.
Fazit: Fazit — Ein Muskel, der fehlbelastet oder überlastet wird, ist meistens auch in Ruhe stärker angespannt. Diese Anspannung kann im laryngo-pharyngealen Bereich eine veränderte Wahrnehmung und ein Fremdkörpergefühl (Globus!) hervorrufen. Dies führt zu einer vermehrten Anspannung und damit wiederum zu einer Verstärkung des Fremdkörpergefühls. Ein Teufelskreis. — Alleine schon unterdrückte Emotionen können ein quälendes Globusgefühl hervorrufen. — Als Therapie hilft das gezielte (!) Lösen der Fehlspannung durch Dehnen der entsprechenden Muskeln. Oft gelingt es schon mit einer einmaligen Behandlung, den Teufelskreis zu durchbrechen. — Der Globus pharyngis kann als „Tennisarm des Halses“ angesehen werden.
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