Berufsstimmstörungen

Berufsstimmstörungen können auftreten, wenn ein Missverhältnis zwischen der geforderten Stimmleistung und der stimmlichen Leistungsfähigkeit besteht. Dies kommt am häufigsten bei der Anforderung zu langem oder lautem Sprechen vor. Besonders belastend ist das Sprechen im Lärm. Dies führt häufig zu einer unphysiologischen Erhöhung der Sprechstimmlage und zur Heiserkeit.
Sehr stimmintensive Berufe haben beispielsweise Lehrer, Erzieher, Anwälte, Trainer und Telefonisten. Die berufliche Stimmbelastung von Lehrenden wird oft unterschätzt. “Die Stimme muss bis zu fünf Stunden tägliche Belastung durchhalten”, erklärt Prof. Markus Hess. “Wenn das ein Lehrer nicht mehr kann, dann braucht er Hilfe”. Als vorbeugende Maßnahme ist eine Stimm- und Sprecherziehung zur Verbesserung der Stimmtechnik zu empfehlen. Auch stimmhygienische Maßnahmen und die Vermeidung ungünstiger Umgebungsbedingungen mit trockener Luft oder zu großem Störgeräusch sind wichtig. Bei manchen Berufen wird vor Beginn der Ausbildung ein phoniatrisches Gutachten („Tauglichkeitsuntersuchung“) gefordert.

Berufssprecher
Wir empfehlen Lehrern, Erziehern, Berufssprechern und Sängern sich alle 1-2 Jahre stimmlich untersuchen zu lassen.

Fallbeispiel

Anamnese
Frau W., 36 jährige Grundschullehrerin, alleinerziehend, zwei Kinder, seit 10 Jahren im Schuldienst, leidet immer wieder unter Erkältungen mit Heiserkeit, Stimmanstrengung und Stimmermüdung. Nach einem längeren Unterrichtstag verspürt sie ein Brennen und ein Trockenheitsgefühl im Hals und muss sich häufig räuspern. Der Mund ist trocken, der Rachendrau, die Stimme gleicht einem tonlosen Quaken – ein Gefühl, als habe man stundenlang gegen einen startenden Düsenjet angebrüllt. dabei war es ein ganz normaler Tag. Dann würde sie am liebsten gar nicht mehr sprechen. Häufig flüstert sie zu Hause, um die Stimme zu schonen. An einem anstrengenden Tag bleibt ihre Stimme manchmal auch ganz weg. Mittlerweile hat sie Angst vor dauerhaftem Stimmversagen und Berufsunfähigkeit.

Befunde
Bei der Untersuchung ist ein angestrengter, resonanzarmer und gepresster Stimmklang zu hören und es sind deutliche Anspannungen der Halsmuskulatur sowie eine geringe Kieferöffnungsweite zu sehen. Mit der Videolaryngoskopie stellt sich ein unauffälliger Kehlkopfbefund dar ohne Anhalt für eine organische Veränderung. Bei der Beurteilung der Stimmlippenschwingungen mit der Stroboskopie zeigen sich verkürzte Amplituden und Randkantenverschiebungen.

Empfehlung und Verlauf
Es wird eine intensive logopädische Stimmtherapie empfohlen. Bereits nach wenigen Therapiestunden kommt es zu einer Verbesserung der Beschwerden. Nach insgesamt 20 Therapiestunden ist der Stimmklang resonant und tragend. Es kommt nicht mehr zum Stimmversagen und Frau W. kann auch eine längere Stimmbelastung ertragen, ohne dass Halsschmerzen auftreten.

Erläuterung
In diesem Fall hat eine unökonomische Stimmtechnik zu vermehrter Stimmanstrengung mit Stimmversagen geführt. Bei Stimmversagen mit Nicht-Ansprechen der Stimme erfolgt die Stimmgebung intuitiv mit mehr Druck, was zu vermehrter Stimmanstrengung mit stärkerer Anspannung der Muskulatur führt. Dies beeinträchtigt die Schwingungsfähigkeit der Stimmlippen und die Kieferöffnungsweite, was wiederum zu einer Verminderung der Resonanz führt – ein Teufelskreis. Mit Übungen zur Verbesserung der Resonanz, zur Lockerung der Muskulatur und zur ökonomischen Atemführung kann die stimmliche Leistungsfähigkeit verbessert werden.

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